Dies ist Teil 2 meiner Rezension von Ableton Push. Im ersten Teil habe ich über Aufnahme von Drums, die Tasten-Layouts sowie die Browsing-Funktionen berichtet. Also weiter im Text...

Session-Ansicht

Durch das Drücken der Session-Taste gelangt man aus dem Note-Modus (zum Spielen) heraus und in den Session-Modus. Alles passiert mit Push in der Session-Ansicht. Es gibt nur eine Taste für Session Record. Keine für die Globale Aufnahme. Der Session-Modus ähnelt dem Launchpad oder APC40, und so fühlt es sich sofort vertraut an und das Starten von Clips und Szenen ist kinderleicht.

Um einen neuen Clip aufzunehmen, drückt man entweder New oder das Pad eines Clips Slots im Session-Modus. New stoppt den Clip auf der scharf geschalteten Spur, kopiert die anderen Clips, die derzeit laufen, auf eine neue Szene. Nach einer Weile wird dadurch die Session-Ansicht schnell voll und unübersichtlich (dieses Verhalten kann in den User-Einstellungen geändert werden, wie ich nach einer Weile entdeckt habe). Duplizieren funktioniert ähnlich, mit der Ausnahme, dass alle spielenden Clips in eine neue Szene kopiert werden.

Im Clip-basierten Modus hatte Duplicate die gleiche Funktion, obwohl das aktualisierte Handbuch ein anderes Verhalten erklärt. Ich konnte nicht herausfinden, wie man nur einen Clip dupliziert. Die neuen oder duplizierten Szenen waren auch nicht immer dort, wo ich sie wollte, so dass ich sie manuell in Live 9 verschieben musste (stoppt die Clips). Es gibt keine Funktionalität für Audiospuren im Note-Modus, so dass man mit ihnen ausschließlich im Session-Modus arbeitet. In den Foren haben einige Nutzer verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen, wie der Note-Modus für Audiospuren sinnvoll verwendet werden könnte. Wenn ich mich nicht irre, gibt es keine Variante, um Audio-Clips einem Live-Set via Push hinzuzufügen.

Session-Modus

Ich persönlich verbringe nicht viel Zeit in der Session-Ansicht bei der Produktion. Ich halte nur meine ersten Skizzen darin fest, dann wechsle ich in die Arrangement-Ansicht. Vielleicht springe ich zwischendurch zurück, um einige Overdubs aufzunehmen oder Ideen für einen Zwischenteil auszuprobieren, aber das war's dann schon. Ich kenne auch Leute, die ausschließlich in der Arrangement-Ansicht arbeiten, wenn sie produzieren. Einiges davon geht auf die Tatsache zurück, dass vor Live 9 Automation in der Session-Ansicht nicht möglich war. Aber ich habe auch bemerkt, dass der zu lange Aufenthalt in der Session-Ansicht mich oft zum Steckenbleiben bringt, während in der Arrangement-Ansicht die Komposition klar vor mir liegt, was ich hilfreich finde.

Aus diesem Grund fand ich es schwierig, einfach Spaß an der Arbeit mit Push zu haben. Es gab Zeiten während des ersten Wochenendes, wo er sich wie eine Hürde zwischen Live und mir anfühlte. Ich musste mehr mit der Maus machen, als ich gehofft hatte, obwohl ich immer versucht habe, herauszufinden, wie man etwas mit Push machen konnte, egal ob dies mehr Nachlesen oder Testen notwendig gemacht hat. Das zweite Wochenende habe ich Push auf meinen Laptop-Tisch gestellt, den ich in einem 90-Grad-Winkel zu meinem Schreibtisch anstatt vor meinem iMac platziert habe. Dies machte die Sache einfacher für mich, da es mir ein schnelles Wechseln zwischen Push und Maus und Tastatur erlaubt hat.

Es ist eindeutig eine Lernkurve vorhanden, um den Dreh mit Push herasuzukriegen (vor allem, wenn man bereits einen eigenen Workflow hat). D.h., dass ein weiteres Benutzen durchaus meine Ansicht über Push's Features und Schwächen ändern könnte.

Übrigens kann man einen Clip in der Arrangement-Ansicht in Live auswählen und dann die Änderungen auf Push vornehmen, was ich sehr praktisch für das Bearbeiten von Beats mit dem Step Sequencer fand. Das Arbeiten in der Arrangement-Ansicht ist also nicht unmöglich mit Push, aber es erfordert, dass man zwischen Live und Push hin- und herspringt.

Urteil:

+ Guter Workflow in der Session-Ansicht
- Keine Integration von der Arrangement-Ansicht oder zum Aufnehmen von Session zu Arrangement

Automation

AutomationDas Aufnehmen von Automation mit Push ist ein Kinderspiel. Wähle Device aus, dann kann man schnell durch die verfügbaren Instrumente und Effekte in der gewählten Spur mit den In-und Out-Tasten navigieren. Aktiviere die Automation-Taste, drücke Record und fang an, die Encoder zu drehen. Die Encoder sind sehr berührungsempfindlich, viel mehr als auf den meisten Controllern, was ich anfänglich gewöhnungsbedürftig fand. Das war kein Problem, da ich die Automation schnell neu aufzeichnen und meine Fehler überschreiben konnte.

Es gibt auch eine Undo-Taste, die in die Undo-Funktion in Live 9 eingebunden ist. Eine sehr nützliche Ergänzung, die ich auf anderen Controllern vermisst habe. Natürlich macht es jegliche Schritte rückgängig, nicht nur verpfuschte Automation. Durch das Drücken der Delete-Taste und Berühren eines Encoders kann die aufgezeichnete Automation wieder gelöscht werden. Delete hat je nach Auswahl verschiedene Funktionen. Abgesehen von der Notwendigkeit, die Globale Aufnahme in Live drücken zu müssen, kann man auch mit Push Automation in der Arrangement-Ansicht aufzeichnen.

Urteil:

+ Sehr einfach und schnell

User-Modus & Push mit anderen Controllern

Wenn Du Deine eigenen Mappings erstellen willst oder Push mit anderen Programmen benutzen möchtest, gibt es dafür den User-Modus. Dann kann man nach eigenen Wünschen MIDI-mappen. Alles sehr unkompliziert. Doch was mich verwirrt hat, war die Tatsache, dass alle Tasten, nicht nur die Pads und Encoder, ihre ursprüngliche Funktionalität verlieren. Dies bedeutet, dass nicht einmal Play oder Session Record noch zugänglich sind. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, und ich wünschte, es gäbe eine Option in den Einstellungen, wo man wählen kann, ob alles deaktiviert werden soll oder die Transport-Bedienelemente funktional bleiben. Ich habe den Benutzer-Modus nur kurz getestet und habe mich wieder recht schnell auf andere Dinge konzentriert. Für die Hacker unter euch hat Florian Zand ein unoffizielles Ableton Push Development Kit als nützliche Starthilfe erstellt.

Ich habe einen BCF2000, den ich zum Mischen benutze. Ich verwende immer noch lieber Fader, um die Lautstärke einzustellen, so dass ich BCF2000 und sowie Push zusammen benutzt habe. Eine Sache, die ich bemerkt habe, war allerdings, dass das Scharfschalten von Spuren mit dem BCF2000 manchmal nicht funktionierte (es funktioniert, wenn Push nicht angeschlossen ist) und ich musste dies stattdessen auf Push tun. Es könnte also einige Probleme in der Verwendung anderer Controller zusammen mit Push geben, wenn sie ähnliche Funktionalitäten bieten. Dies könnte mit einem Update des MIDI Remote Scripts gefixt werden.

Urteil:

+ Seine Existenz
- Alle ursprüngliche Funktionalität auf einmal deaktiviert

Charlie approves of Push

Charlie findet Push gut

Fazit

Push erfordert ein ziemlich strikten Workflow, der die Arbeit in der Session-Ansicht fokussiert. Je nach Deinem eigenen Workflow, kann dies entweder gut oder möglicherweise sehr problematisch sein. Die Idee ist, dass das Jammen, Aufnehmen, Erstellen von Variationen und Automatisieren alle in der Session-Ansicht vorgenommen werden, und man dann alles ins Arrangement aufnimmt. Geräte und Mixersteuerungen werden von beiden Ansichten geteilt, so dass die Anpassung ihrer Parameter auch mit Push in der Arrangement-Ansicht möglich ist.

Ableton haben eindeutig eine Wahl getroffen, in Bezug darauf, was Push kann und bietet und was nicht. Meiner Meinung nach ist das besser, als zu versuchen, einen Allrounder zu schaffen, der alles versucht und nichts richtig kann. Push ist ein dedizierter Controller und ich weiß, dass ich bin nicht in die Zielgruppe gehöre. Ich bevorzuge individuelle Controller und verwende Dinge wie Wiimotes und iPad, aber ich bin erwäge, Push neben anderen Controllern in meinen Produktions-Workflow zu integrieren. Schließlich sind alle Schwächen Software-basiert. Jesse Terry, der bei Ableton für Push zuständig ist, hat erwähnt, dass die Push-Funktionalität nur einen Ausgangspunkt darstellt, und dass mit mehr Feedback von den Benutzern wahrscheinlich mehr hinzugefügt werden wird.

Push ist ideal für User, die:

  • überwiegend in der Session-Ansicht produzieren
  • meist mit MIDI-Spuren arbeiten
  • wenig Wissen über Musiktheorie, Keyboard spielen oder Programmierung von Beats haben
  • noch keinen Controller hat oder nur einen für die Produktion und Jammen haben möchte
  • neue Live-Nutzer sind

Hier ist ein kleines Instrumental, dass ich mit Push and Live 9 produziert habe:

Irgendwelche Gedanken oder Fragen hierzu? Lass es mich wissen. :)

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