An den letzen beiden Wochenenden hatte ich die Gelegenheit, mir einen Ableton Push zu borgen. Ich möchte meine ersten Beobachtungen und Erfahrungen mit euch teilen, so dass ihr hoffentlich eine fundierte Entscheidung treffen könnt, ob Push das Richtige für euch ist.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Länge meiner Rezension, habe ich es in zwei Teile geteilt sowie Pro und Contra für jeden Abschnitt hinzugefügt, um eine bessere Lektüre zu ermöglichen.

Auf die Plätze, fertig, los...

Wenn man Push anschließt, bekommt man angezeigt, dass man Live starten soll, um zu spielen. Push wird automatisch erkannt. Nicht nur das, Live zeigt ein kleines Fenster, worin man gefragt wird, ob man einen Song starten will. Verneint man, öffnet es ein leeres Live Set und man kann wählen, ob das Pop-up beim nächsten Mal wieder erscheinen soll oder nicht.

Bejaht man, wird ein Live Set mit drei MIDI-Spuren geöffnet, eine mit dem Core 909 Drum Kit, eine mit einem Bass, eine mit dem Grand Piano Preset. Die 909 Spur ist scharf geschaltet und man sieht das Layout für Drum Racks auf Push mit dem Step-Sequenzer in der oberen Hälfte, die Drum-Rack-Pads in der links unten, die Kontrollen für die Loop-Länge auf der rechten unteren Seite.

Push's Drum Layout

Push's Drum Layout

Beats Bauen

Das Erstellen von Drum-Patterns mit Push ist sehr einfach. Man kann dazu entweder den Step-Sequenzer verwenden oder einen Clip aufnehmen und die Rhythmen auf den Pads trommeln. Ich werde nicht ins Detail gehen, wie es funktioniert, aber es ist einfach und sehr intuitiv, so dass Du schnell den Dreh raus haben solltest. Nur Vorsicht vor dem versehentlichen Drücken der rechten unteren 8 Pads. Sie steuern die Loop-Länge und können den Fokus auf einen Teil außerhalb des Loops bewegen. So erging es mir ein paar Mal und ich fand es sehr verwirrend, bis ich herausgefunden hatte, wie das passiert war.

Das Drum Layout auf Push funktioniert nur mit Drum Racks. Wenn man ein Impulse Preset lädt, wird das Standard-Tasten-Layout gezeigt. Ich persönlich arbeite gern mit Impulse wegen seiner Time-Stretching-, Filter- und Hüllkurven-Funktionen. Er ist perfekt für das Designen von Drum-Kits aus Field Recordings. Ich würde es mir wünschen, dass das Drum Layout auch mit Impulse funktioniert, aber es gibt keinen Indiz darauf, dass Ableton den Impulse in absehbarer Zeit weniger stiefmütterlich behandeln wird.

Urteil:

+ Step-Sequenzer und Drum-Pads leicht zugänglich im gleichen Layout
+ einfach und intuitiv
- Drum Layout nicht für Impulse implementiert

Die Tasten-Layouts

Spuren werden automatisch auf Aufnahme geschaltet, wenn man sie mit den Pfeiltasten auf Push auswählt. Das Tasten-Layout wird angezeigt, sobald man eine der Instrument-Spuren selektiert. Standardmäßig ist es auf C-Dur (Fixed-Modus aus) eingestellt. Es ist einfach, eine andere Tonart über die Scales Taste auszusuchen. Die Tonart wird für das ganze Live Set gewählt, aber nicht mit ihm gesichert. Noch wird die Einstellung in Push gespeichert, so dass bei Neustart von Live und Push oder einem neuen Live Set sie wieder auf C-Dur gesetzt ist.

Push's In Key Layout

Push's In Key Layout

Ich wechsle gern die Tonart innerhalb eines Songs, weswegen ich das chromatische Layout ausgewählt habe. Während das In Key Layout einfach ist und echt Spaß macht zu spielen und eine Vielzahl von Tonarten (auch exotische - nicht-westliche) bietet, ist das mit dem chromatischen Layout nicht der Fall. Ich hatte ernsthafte Schwierigkeiten, mich ins Spielen einzufinden. Dies kommt daher, weil die gleiche Anordnung im Raster verwendet wird wie bei In Key, aber mit allen Noten. Zurück zu Klavier, Array Mbira oder Gitarre zu gehen (die alle unterschiedliche Notenlayouts haben), schien die bessere Option. Meiner Meinung nach, könnte das chromatische Layout noch um einiges verbessert werden. Ich habe einige Ideen dazu und vielleicht wird dies am Ende zu einem Max for Live Gerät führen.

Ich kann nicht viel über die Pads sagen, da der Push, den ich getestet habe, ein Prototyp ist, bei dem sie noch mit der Griffigkeit der Pads experimentiert haben. Man kann die Empfindlichkeit nach den eigenen Wünschen anpassen. Allerdings schienen die Optionen für die Velocity-Kurven unausgereift, aber das könnte mit einem Software-Update behoben werden. Nachdem ich für ein paar Stunden gespielt hatte, habe ich "Krallenhände" bekommen, teils, weil die Empfindlichkeit der Pads sehr unterschiedlich für verschiedene Presets war, wodurch ich manchmal fast aggressiv auf sie sie einhämmern musste, aber auch wegen der Dreiecksform von Akkorden in Push's In Key Modus. Ich würde gerne wissen, ob sich dies anders in der fertigen Version anfühlt.

Urteil:

+ Spielen und Aufnehmen in In Key Modi ist einfach, schnell und macht Spaß
- Ausgewählte Tonart nicht mit Live Set oder in Push-Einstellungen gespeichert
- Chromatic Key Modus unübersichtlich und nicht gut durchdacht

Pads

Sounds Durchsuchen (Browse)

Ich mochte die Sounds im standardmäßig geladenen Song Live Set nicht besonders, also wollte ich nach dem Spielen und Aufnehmen einiger Drum-Patterns und Melodien die Presets ändern. Das Drücken von Browse öffnet die Live Library mit allen Instrumenten-Presets organisiert nach Gerät und Du kannst drei der Encoder dazu verwenden, um zum gewünschten Sound zu navigieren. In der Theorie ist dies einfach genug, außer Du willst schnell auf Deine eigenen Presets zugreifen.

Man hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie sie je nach Anordnung in der User Library dargestellt werden: lose oder in einem Ordner namens "Others" innerhalb des jeweiligen Geräte-Ordners. Und immer mit der Endung adg. Beide schienen eher unbefriedigend für einen schnellen Workflow, weshalb ich versucht habe, die Darstellung zu hacken (bis ich mich erinnert hab, dass ich Push nur für das Wochenende ausgeliehen hatte).

Das eigentliche Problem ist aber nicht Push, sondern der Browser in Live 9. Eine Suche im Netz hat gezeigt, dass viele User die gleichen Beschwerden haben, so dass Ableton uns hoffentlich hören und die nötigen Verbesserungen in einem zukünftigen Update geben wird. So sehr ich Ableton für die Überarbeitung des Browsers und der Library-Struktur gratulieren möchte und die meisten Gedanken dahinter begrüße, so sehr muss ich sagen, dass noch eine ganze Menge Arbeit in den neuen Browser gesteckt werden sollte.

Urteil:

+ Durchsuchen von Core Library Presets
- Durchsuchen von User Library Presets

Es gibt viele Sachen, die Push gut und richtig macht, es gibt aber noch Raum für Verbesserungen. Die gute Nachricht ist, die hier erwähnten Sachen könnten alle über Software Updates in Live 9 hinzugefügt werden.

Über die Aufnahme von Automation, den User-Modus sowie den gesamten Workflow von Push kannst Du im zweiten Teil meiner Rezension lesen.

Deine Meinung ist gefragt. Hast Du schon einen Push? Was sind Deine Erfahrungen damit? Wenn Du keinen hast, ziehst Du in Erwägung, Dir Push zuzulegen oder nicht und warum?

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