Pake, der Schlagzeuger meiner zweiten Band, hatte das Glück, den letzten Ableton Push im Musikgeschäft zu ergattern. Ich kenne ihn seit unseren Jungendtagen. Mit ihm zusammen habe ich meine ersten Gehversuche mit Musiksoftware gemacht, nachdem wir festgestellt hatten, dass wir beide gebrochene Beats mochten. Damals noch auf seinem C64. Da seine musikalische Laufbahn recht anders aussieht als meine eigene, dachte ich, es wäre eine gute Idee, ihn über seine Erfahrungen mit Push zu befragen.

Kannst Du uns kurz etwas über Dich und Deinen musikalischen Werdegang erzählen?

Den Anfang kennst Du ja (Schlagzeugunterricht, allerdings keine Harmonielehre, Schlagzeuger in verschiedensten Bands). Danach habe ich in einigen Punkprojekten gespielt, war mehr oder weniger erfolgreich, und bin dann irgendwie über ein paar Bekannte immer mehr in die elektronische Sache reingerutscht. Das hat mich ja schon immer interessiert, hab ja schon als Kind mit dem C64… und dann ging das weiter, ich bin dann tiefer eingestiegen und ich hab mir dann irgendwann mal so ein elektronisches Schlagzeug zugelegt, was ich dann ja auch prima als MIDI-Controller benutzen kann. Ich hab eigentlich sonst nur mit Reason oder mit Hardware gearbeitet, aber zu Live bin ich erst dieses Jahr gekommen. Ich hatte Live 8 (die Lite Version) zu meinem Zero SL (Novation Zero SL MK2) dazu bekommen, hab's aber nicht benutzt. Das war halt mit dabei, ich hab mal reingeschaut, aber das hab ich aber nicht sofort verstanden und dann wollte ich mich nicht rein vertiefen.

Wie lange hast Du Ableton Push inzwischen? Wieviel Zeit hast Du ungefähr damit gearbeitet? Hast Du schon etwas damit fertig produziert?

Also, ich hab den seit 8. April und kam bisher eigentlich nur am Wochenende mal dazu. So richtig etwas fertig produziert habe ich nicht, aber es sind schon ein paar Sachen im Anfangen.

Wie findest Du die Pads und Encoder?

Ich bin wirklich begeistert. Das macht so einen Spaß. Die Encoder, man muss die manchmal relativ weit drehen. Manchmal mag ich kürzere Wege lieber, dass man mal ganz kurz etwas von null auf hundert dreht und gleich wieder zurück. Vielleicht könnte man das noch machen, dass man dann mit Shift halten oder so das machen kann. Ist ja alles Software-basiert.

Es ist ja dann theoretisch auch möglich, den Push komplett auf Reason zu programmieren. Noten spielen geht, aber ich kann dann die Velocity für die Pads nicht einstellen, die sind dann wirklich sehr hart. Am einfachsten ist es dann natürlich, Reason über ReWire (zu benutzen) und dann kann man wunderbar mit dem Push die Geräte in Reason ansteuern. Dann ist es kein Problem mehr.

Was fandest Du anfangs einfach? Was schwierig?

Es war eigentlich gar nichts wirklich schwierig. Ich fand's sehr erfrischend, wie's losging. Also, ich hab das Ding eingeschalten und der sagt mir, ich soll Live starten. Ich starte Live. Dann sagt er, dass dort ein Dialog erscheint… und dann bin ich quasi nur noch am Gerät gewesen für eine Stunde mindestens. Ohne irgendwie mal die Maus anzufassen oder auf den Bildschirm zu gucken.

Neulich hab ich was durch Zufall entdeckt, wo ich dachte, das geht bestimmt so und dann ging das auch. Wenn man Mute hält und dann auf den Drumpad drückt, kann man das muten. Das war halt so'n Ding, brauchst kein Handbuch. Das Konzept ist schon geil, dass das mit der Software so eng verbunden ist. Da lohnt's sich schon mal Zeit in Live zu investieren.

Welche Funktionen magst Du am meisten? Welche am wenigsten?

Ich find die Aftertouch-Sache richtig geil. Und die Repeat-Sache ist cool. Dass man da irgendwie so mit einem Sidestick oder einer Hihat mal ganz kurz bisschen rumspielen kann. Dass das Ganze auch noch aufgezeichnet wird, find ich natürlich noch geiler. Also wenn ich mir so einen Drum-Loop aufzeichne und dazu dann Repeat halte und den Druck verändere, kann ich mir ganz schnell eine Hihat-Linie zusammenbauen, die schön groovt und ein bisschen Dynamik drin hat. Ich brauch ja dann nur die Repeat-Funktion zu halten, das Pad zu halten, was ich möchte, und dann vielleicht mal kurz von Sechzehntel auf Achteltriolen oder so umzuspringen und nebenbei noch den Druck auf das Pad verändern und das wird alles in den Step-Sequencer eingetragen. Das hat mich fasziniert, muss ich echt sagen.

Hier ist ein Video, dass Pake extra für uns gemacht hat, dass zeigt, wie er die Repeat-Funktion kreativ einsetzt:

Gibt es etwas, was Du Dir wünscht, was nicht funktioniert/vorhanden ist?

Ich hab gerne einen Crossfader dazu. Ich weiß nicht, ob man das vielleicht über diesen Ribbon-Controller machen kann… aber dafür hab ich mein Zero SL. Da hab ich noch mal 16 Dreh-Encoder dazu, 8 Fader, einen Crossfader. Ich wünsch mir ein paar mehr Knöpfe zum Drehen. Noch mal 8, die dann vielleicht nicht mit den Geräten mit wechseln, sondern die wirklich frei belegbar auf irgendeinen Regler im Programm sind.

Wie gehst Du üblicherweise beim Produzieren vor? Hat sich daran etwas mit Push geändert?

Also vorher hab ich ja gar nicht mit Live gearbeitet, hab ja nur mit Reason gearbeitet. Da hab ich alles im Sequencer gemacht. Viel Mausarbeit und ein bisschen MIDI-Keyboard. Da konnte man was probieren. Wenn's gefallen hat, dann so halt eingezeichnet im Sequencer. Mit Live und Push hat sich das komplett geändert eigentlich, weil ich fang entweder mit einer Melodie oder einem Drum-Loop an, den ich mir zusammenbaue und baue dann darauf auf und das Lied entsteht so währenddessen. Das Lied entsteht live. Das gefällt mir sehr gut. Dass ich schon vorher alle möglichen Sachen ausprobieren kann, die ich dann mal im Arrangement verwenden kann. Also, dass ich das schnell, sofort "on the fly" machen kann. Das fasziniert mich.

Und ich produzier auch mit einer Freundin zusammen. Das geht dann so in die Techno-Richtung. Und sie kam auch sehr schnell damit klar, obwohl sie sonst eigentlich nicht so der Technikmensch ist. Das muss man ja nicht sein bei dem Gerät (Push). Das ist irgendwie selbsterklärend, finde ich, größtenteils.

An dieser Stelle in unserem Interview kommt Julia König, die Freundin, mit der Pake zusammen produziert und wir haben sie gebeten, auch noch ein paar Worte zu sagen.

Julia König: Sehr intuitiv. Weil man wirklich keine Bedienungsanleitung braucht, sondern einfach loslegt und dann ganz schnell merkt, dass genau das passiert, was man vermutet hat. Ich find ihn sehr aus dem Bauchgefühl heraus, sehr weiblich eigentlich.

Willst Du Push hauptsächlich für die Musikproduktion verwenden oder auch für Performances?

Das ist auf jeden Fall ein Plan. Das ginge darum, live aktiv zu werden und überhaupt schneller produzieren zu können. Und die Freundin, mit der ich zusammenarbeite, die hat mal Freunde von einem Label mitgebracht und die haben mich eigentlich überhaupt erst dazu gebracht, Live anzuschauen.

Mehr zu Ableton Push.