Heute ist OSCiLLOT von Max for Cats erschienen, ein modulares System in Max for Live, das drei Max for Live Geräte, mehr als 100 patchbare Module und 79 Presets zum Loslegen. Diesmal ist es eine Zusammenarbeit zwischen Nico Starke und Christian Kleine.

Ich wusste von OSCiLLOT so ziemlich seit dem Zeitpunkt, an dem die beiden die Zusammenarbeit begonnen haben, habe etwas bei Fragen zum Interface-Design geholfen und Diskussionen gehabt, ob und wie etwas in der Theorie funktionieren könnte, was Probleme verursachte. Es ist definitiv kein typisches Max for Live Gerät, es ist etwas ganz anderes. Ich dachte, ich könnte die Gelegenheit nutzen, um beide zu diesem ehrgeizigen Projekt zu interviewen, weil es für euch genauso interessant sein könnte, etwas über dessen Konzeption und Entwicklung zu hören. Hier ist der erste Teil des Interviews, der zweite inklusive einer Verlosung kommt morgen.

 

Ein modulares System innerhalb von Max for Live zu entwickeln ist ja nun schon etwas außergewöhnlich. Wie kam es zur Idee?

Nico Starke: Die Idee existiert eigentlich schon sehr lange. Vermutlich seit dem Release von Max for Live selbst. Max for Live ist ja an sich eine fantastische Erweiterung für Live, aber man ist irgendwie vor die Wahl zwischen zwei Extremen gestellt: entweder man benutzt fertige Devices oder man taucht komplett in die Welt von Max ein, was dann meistens bedeutet, dass man mehr programmiert, als Musik zu machen.

Für den Modular-Junkie in mir war diese Situation nie ganz zufriedenstellend. Ich wollte immer so ein Mittelding haben - modular und flexibel, aber möglichst ohne gleich zu programmieren oder alles über DSP verstehen zu müssen. Wenn man das mit der Hardware-Welt vergleichen möchte - ich liebe Modularsynthesizer für ihre Flexibilität, den Spaß und den Lerneffekt, den man mit ihnen erleben kann, aber ich möchte nicht unbedingt jedes Modul einzeln zusammenlöten. Das macht sicherlich auch Spaß, aber man muss einiges tun, bis da mal ein Ton rauskommt.

Screenshot von einem alten Prototypen von OSCiLLOT

Screenshot von einem alten Prototypen von OSCiLLOT

Und letztlich habe ich auch immer wieder meinen Nord Modular vermisst, der ja im Grunde den gleichen Ansatz verfolgt. Irgendwann habe ich dann also zum digitalen Lötkolben gegriffen und angefangen, Max’ Möglichkeiten auszuloten, um so ein Modularsynthesizer-ähnliches Framework zu schaffen. Anfangs konnte ich schon Module mit Hilfe von BPatchern erzeugen und hin- und herschieben. Dann habe ich mich mit Bezier Kurven beschäftigt, um selbstgemalte Patchkabel zwischen den Modulen zu ziehen, aber es gab viel zu viele Probleme damit, die ich mich damals nicht im Stande sah zu lösen.

Irgendwann kam ich auf die Idee, mit einem einfachen Trick Max’ eigene Patchkabel für meine Zwecke zu missbrauchen und das funktionierte erstaunlich gut. Und so hangelte ich mich Jahr für Jahr ein bisschen näher zum Ziel. Mitte letzten Jahres hatte ich dann auch das letzte große Problem gelöst - das Abspeichern und Wiederherstellen eines Patches und so wurde aus der Idee ein funktionierender Prototyp und ein konkretes Projekt, für das ich Christian gewinnen konnte.

Christian: Den Wunsch nach einem 'irgendwie' verknüpfbaren System gab es bei mir eigentlich auch seit vielen Jahren. Früher habe ich sehr viel mit dem Clavia Nord Modular gearbeitet und habe mir immer eine ähnliche schnelle und musikalische Umgebung im Max-Land gewünscht – u.a. deshalb, weil dann jeder Max Programmier sich an dem musikalischen 'Bausteinen' beteiligen kann.

Es gibt z.B. seit vielen Jahren (ca. 15?) ein Community-Framework, das auf Max basiert – es nennt sich LLOOPP (bzw. neuerdings PPOOLL) Es wird so beschrieben: "lloopp is written by musicians who use this very software for their performances. Anybody who is into max-programming is invited to join in." Lloopp hat zwar einen völlig anderen Ansatz und Fokus, aber es geht im Prinzip auch darum, mit Hilfe von Max ein System zu kreieren, das vom Benutzer schnell und ohne großen Programmieraufwand zum Performen/Musikmachen angepasst und benutzt werden kann.

OSCiLLOT Modules

Normalerweise steckt hinter Max for Cats nur Christian. Für OSCiLLOT arbeitet ihr aber als Team. Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert? Gab es eine strikte Arbeitsteilung?

NS: Ich hatte ja nun ein halbwegs funktionierendes Framework, aber es gab eigentlich nur 3 rudimentäre Module mit denen ich rumexperimentierte. Mir fehlten die nötigen DSP Kenntnisse um ein sinnvolles Arsenal an Modulen zu schaffen. Als ich Christian das Projekt vorgeführt habe, war er sehr begeistert. Ich glaube, er hatte eine sehr ähnliche Vision, wie das Ganze funktionieren sollte und auch die nötige DSP Erfahrung, aber eben kein Framework. Und so kamen zwei Dinge zusammen, die zusammen gehörten. :)

Die Arbeit selbst konnten wir uns relativ gut aufteilen. Ich habe mich hauptsächlich weiter um das Framework und den Editor gekümmert, während Christian die Module gebaut hat. Da gab es kaum Punkte, bei denen wir uns auf die Füße treten konnten. Nachdem wir die wichtigsten Fragen wie Layout, Modulpalette usw. geklärt hatten, konnte jeder von uns relativ autark loslegen. Ich habe regelmäßig eine neue Editor-Version abgeliefert und Christian kam beinahe täglich mit neuen Modulen um die Ecke.

Natürlich gab es auch ein paar Überschneidungen. So hatte Christian zum Beispiel die Idee zu dem Inline-Hilfesystem und hat das einfach in den Editor eingebaut. Am nächsten Tag bin fast nach hinten umgefallen als ich plötzlich ein Youtube Video im Editor laufen sah. Wow!

Ich hab dafür ein paar von Christian's Modulen verfeinert oder überarbeitet, wenn ich Zeit dafür hatte. Ansonsten waren wir immer sehr pragmatisch. Statt Dinge im Vorfeld bis ins kleinste Detail auszudiskutieren, haben wir immer einfach erstmal gemacht und dann geschaut, wie gut es funktioniert. Wenn etwas nicht gut genug war, flog es wieder raus. Diese Arbeitsweise hat mir sehr gefallen. Alleine wäre ich vermutlich zu oft in kleinen Details stecken geblieben, da ich tendenziell schon eher der Frickler bin.

CK: Ich war/bin recht begeistert von der OSCiLLOT Kollaboration. Wir haben sehr gegensätzliche Stärken, die sich wunderbar ergänzen.

Max for Cats auf Sonic Bloom