Mixed in Key haben kürzlich ein neues Plugin-Bundle veröffentlicht. Es heißt Captain Plugins und sie machen das Komponieren viel einfacher. Im Moment sind vier Plugins verfügbar, die Captain Chords, Melody, Deep und Play genannt werden. Zwei weitere mit dem Namen "Hook" und "Beat" werden in Zukunft veröffentlicht und sind kostenlos für alle, die das Captain-Bundle bereits gekauft haben. Sie sind für macOS und Windows verfügbar, mit Ausnahme von Captain Melody, das zu diesem Zeitpunkt nur für macOS verfügbar ist. Ich habe die ersten vier Plugins für euch getestet.

Die Verwendung von Captain Chords ist einfach. Zuerst muss Grundton und Tongeschlecht ausgewählt werden, oder man kann auf Randomize klicken, wenn man es zufällig ausgewählt haben möchte, dann kann man aus 68 Akkordfolgen, einen von weit über hundert Rhythmen wählen und die Notenlänge einstellen. In der Registerkarte Audio kann man eine von über 100 Voreinstellungen, einen von fünf Reverb-Typen, Delay-Einstellungen und den Wet-Anteil beider Effekte auswählen sowie einen Tief- oder Hochpassfilter anwenden. In der VST-Version des Plugins ist MIDI-Ausgabe auch möglich, so dass Live-Instrumente, andere Plugin-Instrumente oder sogar Hardware den Sound bereitstellen können.

 

Die Komposition kann in verschiedenen Tabs mit der Bezeichnung Verse, Pre Chorus, Chorus und Drop erfolgen. Dort sind auch die verschiedenen Akkordintervalle aufgelistet, so dass man Anpassungen vornehmen, oder Akkorde oder Pausen hinzufügen kann. Nicht nur die einfachen Triaden sind Optionen, sondern auch komplexere Akkorde. Es gibt auch die Möglichkeit, benutzerdefinierte Akkorde über die Schaltfläche + hinzuzufügen. Man kann auch die Art der Umkehrung (Inversion), die Oktave, Flavor (Hinzufügen zusätzlicher Noten zum Akkord) sowie die Akkordkomplexität einstellen. Die Länge und Position jedes Akkords kann leicht in der Pianorolle geändert werden, indem man einfach die Pfeile nach links oder rechts zieht.

In der Registerkarte Play kann man mit der Computertastatur Akkorde von der ausgewählten Tonart spielen, was eine gute Funktion zum Jammen ist. Diese Registerkarte ist auch in Captain Play unter dem Namen "Play Chords" verfügbar, der neuesten Version im Bundle. Mit "Play Single Notes" in Chord Play kann man Melodien ausprobieren und aufnehmen.

Captain Chords fungiert auch als Basis für Melody und Deep, so dass sie alle automatisch die in den Akkorden eingestellte Tonart und Tonleiter verwenden. Dazu müssen sie, sobald sie in eine andere MIDI-Spur gezogen werden, zuerst mit Captain Chords verbunden werden. In Captain Melody kann man Oktave, Notenlänge, Spannung, Rhythmus und Muster auswählen. Sowohl Captain Melody, für monophone Tonabfolgen gedacht, als auch Deep, für Basslinien gedacht, verfügen ebenfalls über die Registerkarten Audio und MIDI sowie die Registerkarten für MIDI In, Play, Verse, Pre Chorus, Chorus und Drop, die Captain Chord enthält. Auf der Registerkarte Play kann man einzelne Noten auf der Computertastatur spielen.

In jedem Plugin kann man die Leertaste drücken, um die Aufnahme der MIDI-Noten zu starten oder zu stoppen. Sobald man mit dem Ergebnis zufrieden ist, kann man die kleine Clip-Darstellung rechts unten auf die DAW ziehen, wodurch ein MIDI-Clip erzeugt wird, der weiter bearbeitet werden kann.

Die Captain Plugins könnten sicherlich für professionelle ProduzentInnen mit engen Deadlines hilfreich sein, etwa für Musik für Werbung etc. Wenn Du jedoch keine Ahnung von Musiktheorie hast, kannst Du nur die Akkordfolgen durchgehen, um gut klingende zu bekommen, oder verlasse Dich auf Deinen Sinn für Harmonie. Um die Funktionen der Plugins voll auszunutzen, empfehle ich ein paar grundlegende Kenntnisse in Musiktheorie. Was Akkordintervalle sind oder Umkehrungen, welche Tonarten und Akkordfolgen eignen sich für welche Art von Stimmung. Ein Nachmittag am Wochenende könnte schon viel bringen, da das Plugin-Paket ein guter Leitfaden sein kann, um die Theorie zugänglicher zu machen, da Du direkt ausprobieren kannst, wie bestimmte Akkorde klingen und wie das Springen zwischen verschiedenen Intervallen die Stimmung der Komposition verändern kann. Das könnte Dir unzählige Stunden an Musiktheorie ersparen, denn Basiswissen sollte für die meisten im Tandem mit den Captain Plugins ausreichen.

Es hat weniger als zehn Minuten gedauert, um eine Akkordfolge, eine Melodie und eine Basslinie zu erzeugen, um dann mit Captain Play einige zusätzliche Parts obendrauf zu jammen, nachdem ich die Plugins zum ersten Mal geladen hatte. Ich bin jedoch von klein auf  klassisch ausgebildet, verstehe also Musiktheorie, und die GUI der Plugins war somit ziemlich selbsterklärend.

Captain Plugins sind von Mixed in Key zum Einführungspreis von 79 USD erhältlich.

Update: Mixed in Key haben Captain Chords mit Version 2.0 neue Funktionen hinzugefügt, die erwähnenswert sind:

  • Verbinde Dein MIDI-Keyboard und zeichne Akkorde in Captain Chords zur weiteren Bearbeitung auf
  • Strum-Funktion - erzeugt ein Timing der Noten, das wie das Schrammeln einer Gitarre klingt
  • Swing hinzugefügt
  • neue Layouts, die auf Deine Akkordfolgen angewendet und verschiedene Rhythmen und Timings ausprobiert werden können
  • How-To-Guide: neuer Link zu Online-Lernressourcen
  • Echtzeit-Routing zu anderen VST-Plugin-Instrumenten und Ausgabe an analoge Hardware