Wir haben es alle schon einmal durch. Manchmal fühlen wir uns einfach nicht kreativ. Die Sache ist, dass wir keine Roboter sind. Es ist einfach Teil des Menschseins. Mach Dich deswegen nicht selbst fertig, denn das könnte noch zu einem kreativen Loch führen (hier sind einige Tipps, wie Du wieder aus einem herauskommen kannst). Natürlich kann es ungemein frustrierend sein, wenn man sich Zeit genommen hat und sich dann einfach nicht danach fühlt. Oder noch schlimmer, man eine Frist hat. Die gute Nachricht ist, dass nicht alles im Musikproduktionsprozess Kreativität erfordert. Es gibt immer Dinge, die getan werden können, um vorwärts zu kommen und sich nicht unproduktiv und besiegt zu fühlen.

Ordnung schaffen

Dies ist ein Thema, das oft bei meinen Schülern auftaucht, insbesondere bei denjenigen, die die Suite-Version und auch noch eine Menge Plug-Ins und Samples besitzen. Wie man das Beste aus seinen kreativen Impulsen herausholt, wenn man immer wieder auf der Suche nach den richtigen Presets oder Samples ist. Sie sind normalerweise nicht sehr zufrieden mit meiner Antwort, aber sobald sie meinen Rat befolgen, laufen die Dinge reibungsloser. Der einzige Weg, das Gesuchte leicht zu finden, ist, wenn man weiß, wie und wo man es schnell findet. Und wann ist es jemals ein besserer Zeitpunkt dafür als an Tagen, an denen die Kreativität eine Pause zu machen scheint.

Die neue Sammlungen-Funktion in Live 10 kann dabei sehr nützlich sein (siehe Tutorial). Während Du durch die Presets und Samples gehst, könntest Du die verschiedenen Farben verwenden, um die gewünschten zu markieren. Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie Du alles sortieren willst, empfehle ich, sie einfach erst einmal alle in einer Farbe zu markieren und wenn die Sammlung zu groß wird, sie in zwei oder mehr Sammlungen aufzuteilen (Du hast sieben in Live zur Verfügung). Zu diesem Zeitpunkt sollte es viel einfacher zu sehen sein, was Du markiert hast und was eine Sammlung darstellen soll.

Vergiss nicht, dass Du auch ganze Ordner markieren kannst, was uns zum nächsten Teil des Organisierens führt. Wenn Du viele Samples oder Max for Live Geräte besitzt, können diese Kollektionen unordentlich werden und es kann zu viel Zeit in Anspruch nehmen, das richtige zu finden. Verbringe einige Zeit damit, sie durchzugehen. Scheue Dich nicht, diejenigen loszuwerden, die Du nicht mehr benötigst oder die nicht mehr funktionieren (veraltete Max for Live Geräte). Wenn Du sie nicht löschen möchtest, lege sie in einen anderen Ordner. Oder besser gesagt, lege Deine Lieblingssamples oder -geräte in einen "Favoriten"-Ordner, füge den Ordner dem Live-Browser hinzu und markiere ihn mit einem Farb-Tag, um schnell darauf zugreifen zu können.

Das Gleiche gilt für die Live-Sets, an denen Du gerade arbeitest. Kreativität kann chaotisch sein, aber es ist immer gut, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um die Tracks zu bereinigen und neu zu ordnen, bevor man in den Mix eintaucht. Ich habe bereits ein Tutorial dazu geschrieben, was Du Dir dazu anschauen kannst.

Und wenn Du einen Track beendet hast, solltest Du sicherstellen, dass Du ihn auf eine Weise aufbewahrst, so dass Du auch im nächsten Jahr oder in einem Jahrzehnt ihn noch verwenden kannst. Selbst wenn Du bei Deiner DAW bleibst, hast Du Plugins oder Max for Live Geräte verwendet, die möglicherweise in Zukunft eingestellt oder nicht mehr gewartet werden. Oder Du hast Sounds und Presets aus der Live Library verwendet, die ein paar Versionen später nicht mehr enthalten sein werden. Daher ist es sinnvoll, Backups Deiner Arbeit und Stems zu erstellen.

Gain-Staging & Mixen

Dies führt uns zu den nächsten Sachen, die Du tun kannst, wenn Du Dich überhaupt nicht inspiriert fühlst. Ich neige dazu, an verschiedenen Songs gleichzeitig zu arbeiten, gerade weil ich an einem hängen bleiben könnte und weil die Ohren müde werden, wenn man immer den selben Song in Schleife hört. Wenn das passiert, kann ich zum nächsten übergehen. Es gibt immer eine wenig kreative Aufgabe, um einen Song näher zur Vollendung zu bringen.

Durch das Gain-Staging wird sichergestellt, dass das Audiosignal auf allen einzelnen Spuren optimal ausgepegelt ist und die Effekte nicht “zu heiß” durchlaufen werden. Auch dieses Thema habe ich schon in einem früheren Artikel behandelt, wenn Du also mehr über Gain-Staging erfahren möchtest, wirf einen Blick auf dieses Tutorial.

Sobald Du das Gain-Staging durchgeführt hast, ist der Track bereit für den Mix. Ich persönlich definiere das Mixen als einen nicht kreativen Job. Da die meisten von uns heutzutage allein Musik machen, entscheiden wir selbst, welche Effekte verwendet werden sollen, welche Modulation und Automatisierung, und wir sind diejenigen, die sich um den Mix kümmern. Das Mixen in diesem Setting bedeutet für mich nur, dass jede einzelne Spur gut klingt und dass alle Spuren zusammen einen harmonischen, ausgewogenen Mix ergeben, der dann zum Mastering weitergereicht werden kann. Die kreativste Aufgabe dabei besteht darin, die Reverb- oder Delay-Einstellungen zu optimieren, um die perfekte Raumgröße für Deinen Track zu erhalten. Der Rest besteht darin, die Pegel anzupassen, das Panning zu klären, die Spuren mit subtraktivem EQ und Editing zu bereinigen, die Dynamik zu begrenzen und die Spuren dichter zu machen und so weiter. Ich finde diese beiden Tutorials zum Mixen sehr hilfreich (Teil 1, Teil 2), da sie die Dinge in sehr anschaulichen Metaphern erklären und die Reihenfolge des Mixprozesses aufzeigen.

Neue Dinge lernen

Was man auch tun kann, wenn man den kreativen Funken nicht verspürt, besteht darin, neue Dinge zu lernen oder einfach zu verstehen, wie andere Menschen einen bestimmten Aspekt des Musikmachens oder der Live-Performance angehen. Ich mache schon seit meiner Kindheit Musik und es gibt noch so viele Dinge, über die ich mehr erfahren möchte. Ich finde, dass dies eines der aufregendsten Dinge am Musikmachen und Produzieren ist. Du lernst immer weiter, Deine Kunst zu entwickeln, und auf diese Weise wird es nie langweilig.

Das kann bedeuten, dass Du an einem Abend, den Du für die Musikproduktion geplant hattest, auf YouTube gehst und Dir einige Tutorials zu einem bestimmten Thema ansiehst. Oder es gibt einen Kurs, den Du schon eine Weile im Auge hattest. Oder Du setzt dich hin, um einige Sound on Sound Artikel oder Tutorials zu lesen (ihre Sammlung zur Synthese ist übrigens fantastisch). Solange Du nicht nur passiv zuschaust oder liest, sondern auch Dinge ausprobierst, wird dies keine Zeitverschwendung sein, sondern eine gute Investition. Ich beginne gerne einen neuen Song mit einer bestimmten Herausforderung, bei der ich versuche, etwas zu lernen und die neu erworbenen Fähigkeiten umzusetzen.

Wenn Du kürzlich ein neues Gerät erworben haben solltest, sei es ein Plugin, ein Max for Live Gerät oder sogar Hardware, muss dies erforscht und kennengelernt werden. Ich habe gesehen, wie viele meiner Schüler regelmäßig neue Sachen gekauft haben, nur um sich mit den ganzen Plugins und der Hardware, die sie angehäuft haben, zu verzetteln und fest stecken zu bleiben. Es ist nicht nur notwendig, sich Zeit zu nehmen, um den Umgang mit einem neuen Gerät im Detail zu erlernen, es wird auch einige Zeit dauern und kann zu wunderbaren Ergebnissen für Deine kommenden Produktionen führen.

Hab ich was vergessen zu erwähnen? Was tust Du, wenn die Kreativität sich doch mal nicht blicken lässt?