In dieser 2-teiligen Serie werden wir uns mit Audio-Effekten beschäftigen. Zuerst gehen wir durch die Arten von Effekten sowie bewährte Praktiken für die Reihenfolge in einer Effektkette, während wir im zweiten Teil einige verschiedene und ungewöhnliche Reihenfolgen betrachten, um spezifische Klänge zu erzeugen.

Ein Thema, das verwirrend ist für alle, die neu in der Musikproduktion sind, ist die Reihenfolge der Effekte. Gibt es einen richtigen Weg zum Signalfluss von Effekten? Das Problem ist, dass die Antwort ist, dass es es keine absolute Regel gibt. Es hängt davon ab, welchen Klangcharakter man erreichen will. Eine Effektkette, die üblicherweise vermieden wird, kann sich für einen bestimmten Klang als perfekt erweisen. Es ist am wichtigsten zu wissen, dass es einen Unterschied im Klang macht, wenn man einen Kompressor oder Reverb zuerst oder zuletzt in der Kette platziert.

Wenn man sich ansieht, was die verschiedenen Produzenten als typische Reihenfolge empfehlen, sieht man, dass sie sich dabei nicht unbedingt einig sind.

Arten von Audio-Effekten

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Arten von Audio-Effekten, die existieren, und in welchen dieser Kategorien die Effekte von Ableton Live Suite fallen.

Verzerrungseffekte:

Verzerrungseffekte erlauben es uns, den Klang der analogen oder digitalen Verzerrung durch Simulation von Vakuumröhren, Transistoren oder digitalen Schaltkreisen neu zu erstellen oder sogar ein Abschneiden und eine digitale Verzerrung des Signals zu verursachen.

  • Dynamic Tube
  • Erosion
  • Overdrive
  • Redux
  • Saturator
  • Vinyl Distortion

Dynamische Effekte:

Dynamische Effekte verändern ein Audiosignal auf der Grundlage des Frequenzinhaltes und des Amplitudenpegels, und verändern so die Dynamik des verarbeiteten Tons.

  • Compressor
  • Gate
  • Glue Compressor
  • Limiter
  • Multiband Dynamics

Filtereffekte:

Bei Filtern können spezifische Frequenzen in einem Audiosignal unterdrückt oder hervorgehoben werden. Sie können entweder verwendet werden, um das aufgenommene Audio aufzuräumen oder den Klang in einer bestimmten Weise einzufärben.

  • EQ Eight
  • EQ Three
  • Auto Filter

Modulationseffekte:

Modulationseffekte werden verwendet, um dem Klang Bewegung und Tiefe hinzuzufügen. Sie modulieren das Timing des eingehenden Signals.

  • Auto Pan
  • Chorus
  • Filter Delay
  • Flanger
  • Phaser
  • Ping Pong Delay
  • Reverb
  • Simple Delay

Werkzeuge:

Dies sind Effekte, die nur begrenzte Funktionen haben, die entweder die Eigenschaften eines Klanges nicht verändern oder überhaupt nicht beeinflussen.

  • Spectrum
  • Tuner
  • Utility

Spezial:

Audio-Effekte in dieser Kategorie können nicht so leicht klassifiziert werden. Mit leistungsstärkeren Computern sehen wir immer mehr Effekte mit hybriden oder sogar völlig neuen Features, die bisher technisch zu kompliziert waren, vor allem in Echtzeit.

  • Amp
  • Beat Repeat
  • Cabinet
  • Corpus
  • Frequency Shifter
  • Looper
  • Resonators
  • Vocoder

Typische Reihenfolge von Effekten

Was der erste Effekt in der Kette sein sollte, hängt ein bisschen von dem Audio ab, das wir verarbeiten. Das Utility könnte zuerst in der Schlange sein, wenn Du es vorziehst, das Gain-Staging mit ihm vorzunehmen.

Wenn Du echte Instrumente oder Vocals aufnimmst, vor allem durch ein Mikrofon in einer weniger als perfekt behandelten Aufnahmeumgebung, empfehle ich, den Sound zuerst zu säubern, bevor man weitere Effekte hinzufügt. In diesem Fall wäre der erste Effekt ein EQ, in Live der EQ Eight - meist verwendet, um schmale Frequenzbänder zu schneiden, die zu stark oder unerwünscht sind. Dies wird als subtraktiver EQ bezeichnet.

Ich würde nicht einen EQ in der ersten Position einer Effektkette verwenden, der Frequenzen verstärkt, also einen additiver EQ. Ich würde auch einen subtraktiven EQ auf Spuren mit MIDI-Instrumenten verwenden. Wenn Du viel mit fertigen Loops und Samples arbeiten, ist es oft der Fall, dass der Sound schon gereinigt wurde.

Als nächstes würde man in der Regel die Dynamik des Audiosignals mit einem Kompressor einschränken wollen, damit es besser im Mix sitzt. Grundsätzlich werden EQ und Kompression am Anfang einer Effektkette verwendet, um nur den Klang und die Dynamik in Ordnung zu bringen.

Modulationseffekte wie Delay oder Reverb erzeugen einen Effektschwanz, den man die meiste Zeit nicht weiter beeinflussen will. Aus diesem Grund werden sie üblicherweise zuletzt in einer Effektkette oder in Return-Spuren platziert. Wenn Du Delay und Reverb zusammen verwenden willst, wirst Du am häufigsten das Delay vor dem Reverb platzieren, so dass der Reverb die Delays nicht weiter verwäscht.

Alles andere kannst Du entscheiden, je nach dem Sound, den Du erzeugen möchtest. In DAWs wie Ableton Live kann die Reihenfolge der Effekte durch Drag and Drop leicht verändert werden. Probiere einfach verschiedene Reihenfolgen aus, um zu sehen, welche Du am besten für jeden einzelnen Sound findest. Je mehr Du ausprobierst, desto einfacher wird es, schnell die richtige Reihenfolge der Effekte  zu finden, um den Klang zu erzielen, den Du im Sinn hast.

Im zweiten Teil dieser Mini-Serie über Audio-Effekte werfen wir einen Blick auf einige interessante Effekt-Combos für Inspiration.